Druckt mehr Bilder aus!

Sizilien von Ben Hammer bei Sebastian H. Schroeder

Vor einigen Wochen hatte ich Euch das Buch „Eins reicht.“ meines Nachbarn, Kollegen und Kurators Sebastian H. Schroeder hier vorgestellt und empfohlen. In seinem ersten Fachbuch teilt er endlich seine Expertise zu den Themen rund um die Bildauswahl und Bildstrategie mit der breiten Masse. Meine Zusammenarbeit mit Sebastian begann 2016 mit meinem ersten eigenen Bildband „Das Leben und Sterben des BENHAMMER“, davon schreibt er auch unten im folgenden Buch-Kapitel „Wo wähle ich Bilder aus.“

Mir hat Sebastian damals die Fotografie durch komplett neue Augen gezeigt und ich bin bis heute davon überzeugt, dass ich durch seinen Input und die gemeinsame Kurationsarbeit die größten Schritt in meiner bisher überschaulichen Fotografie-Karriere gemacht habe.

Aus diesem Grund werde ich auch nicht müde sein Buch zu empfehlen, weil ich weiß, was sein Know-How mir gebracht hat. Hier gibt es jetzt ein Kapitel, was es schlussendlich leider nicht ins final verlegte Buch geschafft hat, aber eine unsere Begegnungen und die daraus resultierenden Erfahrungen meinerseits, ganz gut auf den Punkt gebracht hat. Auch wenn meine „einflussreichen“ Bloggerzeiten lange Geschichte sind, kann vielleicht der ein oder andere noch etwas mitnehmen.


Es folgt ein Kapitel aus dem Buch „Eins reicht. Fotos gezielt auswählen und präsentieren“ von Sebastian H. Schroeder, welches es zwar am Ende nicht ins finale Buch geschafft hat, aber durchaus eine schöne Anekdote über Fotografie enthält. Das Taschenbuch vom dpunkt.verlag kann unter anderem auf Amazon und im gutsortierten Buchhandel erworben werden.

Wo wähle ich Bilder aus?  

Grundsätzlich arbeite ich sowohl mit dem Rechner als auch an Prints. Der Mix aus beidem ist im Verlauf eines Projektes am sinnvollsten. Je kürzer ich die Arbeit am Computer halten kann, desto besser. Denn die wirksamste Weise Bilder final auszuwählen ist mit einem Ausdruck am Tisch. Auch sonst gibt es gute Gründe seine Fotografien einmal mehr auszudrucken als sie nur digital zu betrachten.  

Arbeiten mit Prints: Dinge sehen, von denen du nichts geahnt hast

Mit Beginn der Ausbildungszeit in Kiel erhielt ich den heiligen Gral für Fotografie-Azubis: Den Schlüssel zu den Laboren meiner Berufsschule. Von einer Sekunde zur nächsten schien alles möglich. Ich hatte Zugang zu Printern, die Menschen in Originalgröße drucken konnten, zu Vergrößerungsgeräten, deren einzige Limitation die Höhe des Raumes war oder zu Computern, deren gesammelte Rechenleistung gereicht hätte, um mit ihnen eine Rakete zum Mond zu schießen.

Die Ansage des Dozenten war eindeutig: Nutzt die Zeit, probiert euch aus, sie wird nicht wieder kommen. Damals ahnte ich nicht, wie sehr dieser Satz stimmen sollte.

Die Projektarbeit des ersten Semesters musste mit gedruckten Bildern präsentiert werden. Nicht kleiner als 20×30 cm durften sie sein. 

Nächtelang hatte ich mit meinen Kommilitonen an der Konzeption verbracht, später in den Studios getestet und zuletzt an den Bildbearbeitungsrechnern der Schule gesessen. Wir waren uns sicher, die Bildbesprechung würde der große Wurf werden. Am Abend vor der Präsentation belehrte der Großformatdrucker uns eines Besseren.

Auf dem Abzug offenbarte sich, was wir wochenlang nicht gesehen hatten: Kleinigkeiten wie Linsenflecken, verschmierte Stellen vom Stempelwerkzeug und Randunschärfen zierten unsere Bilder. Die Farben sahen anders aus als am Rechner. Die Kontraste waren flau. Wir waren entsetzt. 

Wie hatten wir all das bei der Bearbeitung nicht sehen können? 

Wir retuschierten, korrigierten, passten die Profile an und druckten bis in die Morgenstunden, ehe wir geschafft, aber zufrieden in unsere Betten fielen. Für volle 45 Minuten. 

Elf Jahre später und als Dozent zahlreicher Kurse an Instituten und Hochschulen, bin ich ruhigen Gewissens sagen: So geht es den meisten. Und das ist auch gut so. Es war nicht die erste Lehre meiner Ausbildung, aber sicher eine der wichtigsten: Ein Bild ist erst fertig, wenn es vor dir auf dem Tisch liegt. 

Niemand ist davor gefeit – auch Profis nicht

Im letzten Jahr habe ich das erste Buch sowie die Ausstellung eines einflussreichen deutschen Bloggers kuratiert. Zum Ende wurde alles stressig, wie immer. Das Buch war im Druck, die Ausstellungsprints bestellt. Der Raum noch so leer wie die Abflughalle eines regionalen Flughafens bei Nacht. 

In einer Pause fiel mir zufällig ein vom Tisch geglittener Proofdruck in die Hände. “Den Linsenfleck hast du noch weg gemacht, oder?” fragte ich routinemäßig nach.  

“Wie, wo? Linsenfleck? Nein, das darf nicht sein. Unmöglich. Das Bild ist so seit zwei Jahren bei Instagram und niemand hat etwas gesagt. 

Auch ich hatte am Rechner nichts gesehen. 

Hat man einen Fehler einmal im Druck gesehen, ist es interessanterweise so, dass man ihn nicht mehr nicht sehen kann und sich permanent fragt, wie man ihn vorher hatte übersehen können. 

Und eben weil seit zwei Jahren niemand etwas gesehen hat, ist der Fleck auch im Bild geblieben. Seitdem kann ich ihn nicht mehr nicht sehen. Als Dankeschön hängt er nun neben meinem Schreibtisch im heimischen Arbeitszimmer.

Sizilien von Ben Hammer bei Sebastian H. Schroeder
Besagtes Bild im Home-Office von Sebastian H. Schroeder. Ich hatte es für meine Ausstellung „Travelnotes“ gedruckt und gerahmt. Entstanden ist es auf einem dieser Blogger-Trips nach Sizilien ins Golfresort.

Solltet ihr jetzt Lust bekommen haben, mehr über die Kunst der Präsentation und Auswahl von Fotografien zu erfahren, gibt’s hier einen ausführlichen Buchtipp zu „Eins reicht.“ oder ihr guckt direkt auf Amazon. Danke auch an dieser Stelle nochmal an Sebastian, der mir das unveröffentlichte Kapitel für eine Veröffentlichung hier freigegeben hat.

von

Hej, ich bin Ben. Ich wohne und arbeite in der wunderbaren Stadt am Rhein – Köln. Unweit des Rheins ist auch mein Studio. Hier schreibe ich über alles, was mich gerade interessiert.

Comments (5)

  1. […] nicht ins Buch geschafft hat, exklusiv zur Verfügung gestellt. Du kannst es unter dem Titel „Druckt mehr Bilder aus!“ hier im Blog lesen. Ein Auszug aus dem Kapitel „Wie wähle ich Bilder […]

  2. ..beschäftige mich gerade mit dem Buch von Sebastian … cool, wenn ich da bei dir noch ein unveröffentlichtes Kapitel zu lesen bekomme 👍!
    Gruß aus Tirol
    Werner

    • Sehr gerne. Ich gebe alles, Werner 🙂 Bin gespannt wie du das Buch findest.
      Schöne Grüße nach Tirol, Ben

  3. Wie heißt es so schön: „The truth is in the print“. Ist so. Bleibt so. Wird immer so sein.

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